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Nachbericht zur Podiumsdiskussion im Jugendzentrum Backnang

Ein fester Platz soll den Wanderzirkus ablösen

02.06.2009

Viel Lob fürs Jugendzentrum, viel Verständnis für die Anliegen der jungen Generation und viele Absichtserklärungen: Bei einer Podiumsdiskussion mit Gemeinderatskandidaten ging es um Dauerbrenner wie den Festplatz und um aktuelle Brennpunkte wie Rotgerberweg.

Diskutierten im Jugendzentrum über Fragen, die die junge Generation bewegen (von links): Moderator Jochen Winkler und die Kandidaten Torsten Früh, Heinz Franke, Christoph Hufen, Ulrike Sturm, Daniel Mouratidis, Josef Schaberger, Volker Schwarze und Christian Schwalbe. Foto: A. Wahl

Von Armin Fechter

BACKNANG. Das Jugendzentrum hatte sich mit der Veranstaltung auf unbekanntes Terrain begeben: Erstmals organisierten die Verantwortlichen um Nadja Hinterkopf gemeinsam mit dem Kreisjugendring einen Tag der Politik. Den Hintergrund erläuterte Christian Herter: Das Kreisjugendring-Projekt „Komm wählen“ soll junge Leute dazu bewegen, von ihrem aktiven und passiven Wahlrecht Gebrauch zu machen. Den Auftakt des Abends bildete die Podiumsdiskussion mit den Gemeinderatskandidaten, daran schloss sich standesgemäß eine Party mit Getränkewahlen in mehreren Durchgängen und mit einem Politik-Karaoke an.

Den Fragen des souveränen Diskussionsleiters Jochen Winkler, der das Motto „FDK“ („fasse dich kurz“) ausgab, stellten sich Vertreter von CDU, SPD, Grünen, Bürgerforum und Christlicher Initiative. Abgesagt hatte die im Gemeinderat ebenfalls vertretene Unabhängige Bürger-Vereinigung. Zweieinhalb Stunden lang ging es dann um Themen, die die jungen Leute bewegen. Dazu zählt etwa die Entwicklung in der Oberen Walke, wo etliche Bands bisher Probenräume haben. Als Ausweichquartier empfahl Christian Schwalbe (CDU) das Jugendhaus, im Übrigen fand er, dies sei eine Frage des Mietmarktes; Heinz Franke (SPD) hält den Güterschuppen beim Bahnhof für denkbar und sieht die Stadt finanziell in der Pflicht; Josef Schaberger (Bürgerforum) verwies darauf, dass Investor Doblinger auf dem Spinnerei-Gelände Räumlichkeiten schaffen wolle, während Mouratidis forderte, leer stehende Geschäftsräume als Zwischenlösung für Probenzwecke bereitzustellen.

In Sachen Festplatz bestand grundsätzlich Einigkeit, dass eine dauerhafte Lösung gefunden werden müsse. Die gegenwärtige Regelung sieht mit Rücksicht auf Anwohner einen Wechsel zwischen Standorten in Backnang, Heiningen und Strümpfelbach vor. Ulrike Sturm (Grüne) möchte einen der drei Plätze fest etablieren. Mouratidis, der sich jahrelang mit dem Thema befasst hat, zeigte sich allerdings desillusioniert und bezweifelte, dass in der Stadt der Wille vorhanden sei, einen Festplatz zu schaffen. Dr. Volker Schwarze (CDU) hielt dagegen: „Es ist noch nichts verloren.“ Es gelte, erklärte Christoph Hufen (Christliche Initiative), dran zu bleiben und an einer stationären Einrichtung zu arbeiten. Dennoch bekannte SPD-Fraktionschef Franke: „Wir müssen mittelfristig mit dem Wanderzirkus leben.“ Anzustreben sei eine Lösung für kleinere Veranstaltungen mit bis zu 200 Besuchern – so ein „Festplätzle“ müsste möglich sein, sagte er.

Ein weiteres Thema war die Lage am Rotgerberweg. Dass sich dort am Mäuerle ein Publikum einfindet, das nicht so konform aussieht, ist vielen ein Dorn im Auge. Torsten Früh (SPD) hat zwar „kein Problem, da vorbeizulaufen“, man müsse aber ernst nehmen, wenn sich Leute bedrängt fühlen. Dennoch soll es – darin war sich das Podium einig – keinen Konfrontationskurs geben, wie er etwa im Ruf nach Wasserwerfern zum Ausdruck gekommen war. Von einer entsprechenden Äußerung eines Fraktionskollegen im Gemeinderat distanzierte sich CDU-Fraktionschef Schwarze nachdrücklich. Es müsse ein Bündel an Maßnahmen ergriffen werden, sagte er. Sozialpädagogen und Streetworker seien gefragt, ergänzte Schwalbe, der aber auch von einer Drogenszene sprach. Verbote gingen zulasten der Freiheitsrechte, gab Mouratidis zu bedenken, beide Seiten müssten, forderte Franke, aufeinander zugehen. Das Thema löste Widerspruch aus: Veranstaltungsbesucher wandten sich gegen das offiziell verbreitete Bild von der Situation. Die Leute würden allein schon wegen ihres Aussehens, und weil sie sich dort aufhielten, vertrieben, ihnen sei sogar der Eindruck vermittelt worden, der Weg befinde sich in Privatbesitz. Schließlich verständigten sich Mouratidis und Schwalbe darauf, sich einmal gemeinsam unter die Mäuerle-Klientel zu mischen und sich ein eigenes Bild zu machen.

Angesprochen wurden noch etliche andere Fragen, darunter die wachsende Kommerzialisierung des Straßenfestes oder die 40-Jahr-Feier des ältesten selbst verwalteten Jugendzentrums in Deutschland im Jahr 2011. Zugleich richteten die Gemeinderatskandidaten ihrerseits den Appell an die junge Generation: „Engagiert euch, geht auf die Stadträte zu.“ Aber auch: „Geht wählen!“

Quelle: Backnanger Kreiszeitung

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Dieser Beitrag wurde am 2. Juni 2009 geschrieben und unter News eingeordnet.
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